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Durch’s Engadin auf langen Latten

Eigentlich mag ich den Winter nicht mehr - und eigentlich wollte ich gar nicht mit. Aber dann ist jemand abgesprungen und dieser eine Platz war frei. Ich wurde dann ein bisschen angestupst. Ob ich nicht doch?…. . Nö!!! Aber irgendwie bin ich dann doch. Keine Ahnung warum. Masochismus?

Es ist zum Glück nicht kalt. Gerade mal knapp unter Null. Man hat mir lange dünne Latten an so komische Schuhe geschnallt und in die Hände ein paar viel zu lange, merkwürdig dünne Stöcke gedrückt. Nach über vierzig Jahren alpinem Skifahren ein sehr unbekanntes Gefühl. Hinten kein Halt? Was soll das? Komische Bindung. Und diese Kleidung. Ich solle meine Laufklamotten anziehen. Ein bisschen mehr drunter als sonst. Das würde reichen. Kein Overall, keine volle Montur, nichts von alledem was dieses Wintergefühl ausmacht. Ich halte mich dran. Schließlich hieß es, dass ich schon noch schwitzen werde.

Rund um mich herum eine Mischung aus Profis und solchen wie mich. (Peter Maurer, Kirsten Maurer-Stenzel, Beate Weinbrenner, Alexandra Thoss, Matthias Messmer, Monika Ehinger, Josef Bosch, Thomas Back, Britta Bassen, Mirko Leisse und eben ich). Die Aufteilung in Profis und solchen wie mich, kann nun jeder für sich selbst vornehmen. Es ist ein wenig dieses Gefühl „Denn sie wissen nicht, was sie tun.“

Gleich drei Tage. (05.-07.02.2010). Als ob man das nicht in kleinen Happen anbieten könnte. Nein, immer sofort die volle Ladung. Beim Hinauffahren ins Engadin war ich noch vergnügt. Beim Aufwärmen noch einigermaßen frech und dann wurde es still um mich. Das einzige was man hörte war das leise Gleiten der Skating Skier auf Schnee, übertönt vom Pfeifen meiner Lunge, das hin und wieder in ein Rasseln überging, so wie man es sich einem Asthmatiker Treffen vorstellt. Ist das anstrengend! Ist das hart! Wie viele Schweißdrüsen hat ein Mensch? Wie viele Liter Schweiß kann man verlieren ohne einer tödlichen Gefahr ausgesetzt zu sein? Finale Gedanken strömen durch mein Hirn. Bilder meiner Familie, die weit weg ist. Als würden diese Qualen nicht ausreichen, macht man sich auch noch über mich lustig. Man attestiert mir Talent. Talent für was? Zum Schwitzen? Zum Fluchen? Zum halbtot in den Schnee fallen? Tolle Talente. Aber ich bin schon lange nicht mehr in der Lage zu widersprechen. Wie durch einen Vorhang nehme ich Mitmenschen und Umwelt wahr. Vermutlich lächle ich in einer Art Wachkoma vor mich hin.

Als ich wieder zur mir komme, habe ich warme gemütliche Kleidung an. Ich sitze in einer heimeligen Pension. Vor mir dampfendes, wohlriechendes Essen, eine Flasche Rotwein und bekannte Gesichter. Habe ich diese Qualen etwa nur geträumt? Oder waren sie real und ich bin jetzt im Himmel?

So oder so ähnlich war die gefühlte Version des Langlaufwochenendes im Engadin. Zum Glück nur die gefühlte. Die reale Version war schlicht und einfach toll. Toll die Landschaft und toll die Mannschaft und vor allem die Organisation von Beate Weinbrenner.

…und hier noch ein paar kleine Anekdoten:

Haus Friedheim
Das Haus in welchem wir wohnten hieß CHESA SCHALOM und an der Hauswand stand zu lesen, dass Jesus Sieger ist und lebt. Krönung aber war das Singen des Hausherrn vor dem Essen zur Gitarre. Jedoch an Freundlichkeit waren die Gastgeber nicht zu übertreffen.

Im Bubenzimmer
Im Bubenzimmer Matthias, Thomas, Christian litt Thomas zuerst unter dem eher unmusikalischen Schnarchen von uns beiden und am Morgen aus dem Gesang der Morgenandacht im Nachbarzimmer. Die zweite Nacht bekam er dann ein anderes Zimmer.

Kommunikationsprobleme
Wir waren alle da. Peter nicht. Aber wo war er und warum? Beate und Peter hatten sich verabredet. Sie um zehn am Treffpunkt und er um zehn zum Telefonieren. Es lebe das Handy Zeitalter.

Stürze
Nennenswerte Stürze gab es zum Glück nicht. Man kann bestenfalls behaupten, dass Josef hier und da sehr bodennah trainiert.

Offener Schritt
Beate sprach als Lehrerin öfters mal vom „offenen Schritt“, was Monika mit einem eleganten nach vorne kippen bei gleichzeitigem Öffnen der Hinterbeine eindrucksvoll demonstrierte.

Alex
In der Gesamtmischung Eleganz, Kraft und Geschwindigkeit ist Alex spitze. Das sieht einfach gut aus. Vermutlich glaubt sie mir das aber wieder nicht und wartet nun auf eine Frechheit. Fällt aus!

Wein
Obwohl wir im Engadin und nicht in Südtirol waren, war der Lieblingstreffpunkt am Abend der Kalterer See. Geographisch ein kleines Wunder.

Platt
Wer wen platt gefahren hat, war bei Beate und Matthias nicht immer heraus zu bekommen. Blasser jedenfalls war Matthias.

Schaut Euch die Bilder an, die von diesem Wochenende geschossen wurden. Ein paar davon direkt hier am Bericht, weitere in der Bildergalerie unter dem Stichwort Engadin 2010. Mehr kann man dazu nicht sagen, da ein Bild sowieso mehr sagt als tausend Worte. Spaß hat’s g’macht … !

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Christian Harsch


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