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Heidi, drei Männer und eine Jungfrau!

Ankunft am Freitag in Interlaken: Regen, es ist kalt und es windet - "Na das wird ja lustig morgen", kommt es mir in den Sinn. Auf dem Plan steht der dritte Bergmarathon der Saison für Torsten und mich und damit auch der zum Mountain Marathon Cup: der Jungfrau Marathon von Interlaken auf die Kleine Scheidegg mit gut 1800 HM. Aber mosern hilft jetzt auch nichts, erstmal was gegen den Hunger unternehmen und rein in eine Pizzeria. Zur Pastaparty kann ja jeder gehen.... Rund und abgefüllt geht es dann ins Hotel, immer noch Wind und Nieselregen. Da hilft nur ein warmes, kuscheliges Bett, man weiß ja nie wie es dann morgen kommt.
Samstag 6. September, der Wecker bimmelt unerbittlich. Dann schaue ich mal vorsichtig aus dem Fenster: warm, die Sonne blinzelt um die Berge und von Regen nichts zu sehen. Ok, die Ausrede "dann laufen wir heute halt einfach mal gemütlich" kann ich wohl vergessen. Es ist perfektes Laufwetter! So trifft sich dann um 9.00 Uhr eine Horde scharrender Rennpferdchen, äh Läufer, zum Start. Pünktlich geht es los. Erstmal eine lockere Runde durch Interlaken und dann über die Vororte in Richtung Lauterbrunner Tal. Die Stimmung im Läuferfeld ist prima. Und so schlängelt sich die Läufergruppe vorbei an bimmelnden Kuhglocken und fetziger Guggenmusik in Richtung Berge.
Von Peters Laufgruppe sind auch Thomas und Werner dabei, allerdings verlieren wir vier uns recht schnell aus den Augen.
Bis KM 26 ist die Sache sozusagen ein gemütliches Einlaufen, von Bergmarathon ist da noch nicht viel zu spüren. Ganze 300 HM werden auf diesem Streckenabschnitt erledigt. Läufer wie ich, die kaum lange Läufe trainiert haben, sind allerdings froh, wenn sie dort heil ankommen. Denn jetzt geht die Sache richtig los! Auf den nächsten vier Kilometern geht es in niedlichen Serpentinen 600 HM nach oben. Ich fühle mich in meinem Element und überhole eifrig die "Lange-Läufe-Trainierer", denn ich bin ein "Berglauftrainierer". Während mein Leiden ein Ende gefunden hat, fängt das der anderen hier an. Gut gelaunt geht es zu ACDCs "Highway To Hell" bergan nach Wengen. Dort ist sozusagen großer Bahnhof. Die Zuschauer stehen Spalier und feuern die Läufer an. Da gibt sich natürlich keine eine Blöße und lächelt tapfer. Bei einigen reicht es allerdings nur noch zu einer leidenden Grimasse. Mir geht es gut, keine Ahnung, warum der MP3-Player "Steh auf wenn Du am Boden liegst" dudelt. Da irren sich die Toten Hosen auf jeden Fall, denn außer einem lädierten Knie, das ignoriert wird, steht einer Ankunft im Ziel nichts entgegen. Nach Wengen liegen noch gute 12 Kilometer und knapp 1000 HM vor uns Läufern. Der Weg besteht die nächste Zeit aus einer gut befestigten Schotterstraße. Wir passieren perfekt organisierte Verpflegungsstände und ein fantastisches Bergpanorama. Ich befinde mich in meinem "Bergmodus", d.h. ich laufe in einem flotten "Walking-Schritt". Dabei überhole ich überraschenderweise viele Läufer, die die Herausforderung rennend meistern wollen. Bei KM 38,5 wird auch dem letzten Zweifler klar, dass man sich bei einem Bergmarathon befindet. Hier geht es auf einen schmalen Wanderweg, der auf knapp drei Streckenkilometern 400 HM erklimmt.
Es geht entlang der Eigermoräne hoch bis fast zum Eigergletscher. Leider gibt es hier immer Staus auf der Laufstrecke, da, trotz teilweise zweigeteilter Streckenführung, der Weg einfach zu eng für die Läufermenge ist. Doch die Stimmung ist gut und die Drängler, denen es mal wieder auf die Sekunde ankommt, werden auf ihre Plätze verwiesen. Man kann auch schon zarte Dudelsackklänge hören. Die "Eingefleischten" wissen, dann ist es nicht mehr weit. Der tapfere Schotte steht wie jedes Jahr an der höchsten Stelle des Marathons und spielt für uns Gipfelstürmer. Wir Läufer applaudieren im mit einem Lächeln und machen uns auf den letzten Kilometer. Und der geht bergab!
Mein Knie muss bei dem schrägen Weg jetzt nochmal die Zähne zusammen beißen ....
Und dann ist es GESCHAFFT, ich bin im Ziel!
Mit der Medaille um den Hals liege ich in der warmen Sonne und genieße die fantastische Kulisse von Eiger, Mönch und Jungfrau. Ein perfekter Tag, ein toller Lauf.

Aus Peters Truppe haben es alle geschafft an diesem Tag, alles sind gut im Ziel eingetroffen. Mal schauen was wir als nächstes in Angriff nehmen?!

Thomas Back 5:50:27; 535. M45; 2592. Gesamt
Torsten Schätzle 5:29:24; 660. M20; 2137. Gesamt
Werner Bäuerle 5:18:40; 266. M50; 1868. Gesamt
Heidi Schätzle 5:07:03; 99. F20; 241. Gesamt

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Heidi Schätzle





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